Erkrankungen der Blase

Die Blase ist ein Hohlorgan. Ihre Aufgabe ist es, den Urin zu sammeln und ihn in regelmäßigen Abständen aktiv und kontrolliert auszustoßen.

Die Blase eines Erwachsenen kann zwischen 300 und 500 ml Urin fassen. Wenn die Blase voll ist, wird dem Gehirn durch ein Signal mitgeteilt , dass es nötig ist, die Blase zu entleeren. Die Miktion ist normalerweise willkürlich und vollständig. Die Kontinenz, d.h. den urin zu halten, ist nur durch eine gesunde und funktionstüchtige Blase gewährleistet. Allerdings spielen auch andere Organe für ein korrektes Funktionieren der Blase eine Rolle:

  • das zentrale Nervensystem, welches das Zusammenziehen der Blase und den Muskeltonus kontrolliert
  • der Blasenschließmuskel oder Sphinkter, ein Muskel, der sozusagen als Verschluß dient, indem er die beginnende Harnröhre umschließt.

Verschiedene Krankheiten können die Blase befallen:

  • die akute Blasenentzündung oder Zystitis, welche die häufigste Infektion der Harnwege
    darstellt und oft Auslöser für immer wiederkehrende Blasenentzündungen (rezidivie-
    rende Zystitiden)
  • die chronische Blasenentzündung oder Zystitis
  • die interstitielle Zystitis
  • die Harninkontinenz, von der aufgrund der anatomischen Verhältnisse Frauen häufiger
    betroffen sind als Männer
  • Blasentumoren
  • Blasensteine
  • Die Enuresis nocturna oder das Bettnässen in der Nacht

Die akute Zystistis

Die akute bakterielle Blasenentzündung ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Blasenschleimhaut hervorgerufen durch Bakterien.

Ursachen

Meist handelt es sich um eine Harnwegsentzündung mit banalen Erregern, von den die häufigsten sind:

Colibakterien, Enterokokken, Proteus mirabilis und Streptokokken. Diese Keime sind auch im gesunden Zustand im Körper, vor allem im Darmbereich.

Vor allem Frauen sind von der akuten Blasenentzündung betroffen. Die weibliche Anatomie der unteren Harnwege erleichtert aufgrund der kurzen Harnröhre das Eindringen von Bakterien, die durch die Harnröhre in die Blase gelangen.

Weitere Gründe können sein:

- winzige Verletzungen hervorgerufen durch Geschlechtsverkehr
- eine zu strenge Hygiene - durch Gebrauch von aggressiven Seifen kann die normale Scheidenflora verändert werden
- eine falsche Hygiene - der Intimbereich wird nicht von vorne nach hinten, sondern vom After ausgehend zur Scheide hin gereinigt und so können Darmbakterien in die Harnröhre gelangen.


Die akute Blasenentzündung tritt in der Regel ganz plötzlich auf. Häufiger Harndrang, starkes Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sind typische Zeichen. Die Urinmenge ist gering und der Urin kann trübe bis blutig und stark riechend sein.

Bei der körperlichen Untersuchung ist der Druck auf die Blase oft mit Schmerzen verbunden.

Bei den einfachen Fällen steigt weder die Temperatur noch schmerzen die Nierenlager im Lendenbereich. Sind diese Symptome aber vorhanden, handelt es sich meist um eine Nierenbeckenentzündung.

Untersuchungen:

Urinuntersuchungen dienen dazu, festzustellen, ob weiße und rote Blutkörperchen im Urin zu finden sind. Außerdem ist es sinnvoll, vor allem bei häufigen Entzündungen, den Erreger zu bestimmen, um eine gezielte und testgerechte Behandlung vornehmen zu können.

Eine weiterführende Diagnostik - wie Röntgen, Ultraschall oder Blasenspiegelung - wird selten bei einer einfachen Zystitis durchgeführt.


Behandlung:

Einfache Maßnahmen können ein Abheilen der Blasenentzündung beschleunigen und Rezidive verhindern:

- Blasentee
- viel Wasser trinken (1,5 - 2 Liter pro Tag)
- bei Harndrang nicht einhalten, sondern sofort zur Toilette
- nach dem Geschlechtsverkehr urinieren, um eventuell eingedrungene Bakterien zu eliminieren
- eine korrekte Reinigung des Afters nach dem Stuhlgang
- Verstopfung vermeiden
- Antibiotika

Mit ein Breitbandantibiotikum kann innerhalb von wenigen Stunden die Blasenentzündung wirksam behandelt werden, manchmal dauert es 1-2 Tage. Die Behandlungsdauer wurde in vielen wissenschaftlichen Studien untersucht. Diese Studien haben gezeigt, dass eine Kurzbehandlung (3 Tage) oder gar eine Einmaldosierung bei einer nicht komplizierten Zystitis in der Mehrheit der Fälle ausreichen.

Die rezidivierende Blasenentzündung

Man spricht von einer rezidivierenden Blasenentzündung, wenn mehr als 2-3 Infekte im Jahr auftreten.
Der Arzt wird nun versuchen, Ursachen für die ständig wiederkehrenden Harnwegsinfekte zu finden, die sein können:

- anatomische Mißbildungen (Harnröhrenstenose)
- begleitende Erkrankung (Blasentumoren, Steinleiden, neurogen bedingte Blasenentleerungsstörung)

Untersuchungen:

- Ultraschalluntersuchungen des Harntraktes
- Blasenspiegelung
- Röntgenologische Darstellung der Harnnwege
- Urodynamik

Doch in den meisten Fällen liegen keine organischen Gründe vor und die Untersuchungsergebnisse sind ohne auffälligen Befund.

Behandlung

Das Hauptproblem bei den wiederkehrenden Blasenentzündungen besteht - sofern organische Ursachen ausgeschlossen sind - in der Verhütung weiterer Infekte.
Bewährt habe sich folgende Methoden:

- Einmaldosis eines Antibiotikums nach dem Geschlechtsverkehr, wenn dies der Auslöser für die Entzündungen ist
- Dauerbehandlung mit Antibiotika in niedriger Dosierung
- Blaseninstillation mit Silbernitrat

Selbst bei chronischen Infekten kann es durch das Einbringen einer Silbernitratlösung in die Blase Methode gelingen, die ständige Einnahme von Antibiotika zu vermindern oder gar unnötig zu machen.

Die interstitielle Zystitis

Beschreiben kann man diese Krankheit in etwa so: ein schmerzhafter Zwang, jede halbe Stunde wasserlassen zu müssen, egal ob am Tag oder in der Nacht.
Achtung! Diese Symptome sind nicht immer psychisch bedingt.

Die Bezeichnung interstitielle Zystitis wurde zum ersten Mal 1887 bei Frauen angewandt, die eine Inflamation der Blasenschleimhaut aufwiesen.

Diese Krankheit wird als selten angesehen.

Hauptsymptome sind die Frequenz und die Schmerzen beim Wasserlassen, sowohl am Tag als auch in der Nacht. Beim Wasserlassen verschwindet der Schmerz, tritt aber wieder auf, sobald die Blase sich erneut füllt. Der Harndrang kann so stark sein, dass es zu unwillkürlichem Urinverlust kommt. Eine Infektion besteht nicht.

Diagnostik:

Die Blasenspiegelung ist die wichtigste Untersuchung zur Abklärung dieser Krankheit. Sie muß in Vollnarkose durchgeführt werden, denn um kleine Blutungen unter der Schleimhaut (typischer Befund) feststellen zu können, muß die Blase gedehnt werden. Die Blase füllt sich langsam mit einer Kochsalzlösung bis zum maximalen Fassungsvermögen. Diese Untersuchung ist gleichzeitig der erste Behandlungsschritt, weil danach in 50% der Fälle eine Besserung eintritt. Eine Biopsie wird ebenfalls durchgeführt, damit ein Blasenkrebs ausgeschlossen werden kann.

Es werden folgende Ursachen vermutet:

- Infektionen
- eine Anomalie der Durchlässigkeit der Blasenschleimhaut, aufgrund derer für die Blasenwand toxische Substanzen eindringen könnten
- ein entzündlicher Prozeß
- toxisch
- autoimmun
- psychologisch
- hormonal bedingt


Für all diese Ursachen gibt es aber bisher keine schlüssigen Studienergebnisse.


Behandlung

- Man kann die Blase wie oben beschrieben füllen und weiten oder Medikamente in die Blase instillieren, die zum Ziel haben, die Schleimhaut abzutragen, damit gesunde Schleimhaut nachwächst.
- Antidepressiva, auch um die Blase ruhigzustellen.
- Elmiron (Pentosanpolysulfat) Medikament , dass nur in Amerika im Handel ist und ebenfalls die Blasenschleimhaut erneuern soll.
- Entfernung der Blase


Die ICA (Interstitial Cystitis Association) in den Vereinigten Staaten hat diese Krankheit der breiten Bevölkerung und auch der Ärzteschaft näher gebracht.

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